Gottesdienst am Palmsonntag, 14. April 2019

© Christian Müller
Veröffentlicht am Mo., 29. Apr. 2019 14:43 Uhr
Gemeindehausumbau
von Angelika Erichson


Am Palmsonntag denken wir daran, wie Jesus unter dem Jubel seiner Anhänger in Jerusalem einzog und was er danach erdulden sollte. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Die Ev. Paulus Gemeinde Tempelhof feierte jedoch an diesem Sonntag noch etwas anderes: den feierlichen Auszug aus dem Gemeindehaus zum Beginn der Sanierung.

Wochenlang hatten fleißige Menschen – allen voran Dirk Helm -  den Auszug organisiert, das Gebäude leer geräumt und Container mit den Dingen gefüllt, die es wert waren aufgehoben zu werden. Vieles wurde auch entsorgt. Dieses Aufräumen verursachte nicht nur Wehmut, weil es an vergangene Zeiten erinnerte oder langjährige Traditionen während der Sanierung nicht stattfinden können, sondern es schaffte auch Erleichterung, etwa so, wie es einem beim Frühjahrsputz ergeht.

Dazu passte das Lied „Morgenlicht leuchtet“, mit dem die „Dünnen Stimmchen“ den Gottesdienst im Großen Saal eröffneten. Denn es galt hier noch einmal in Gedanken durch alle Räume des Gemeindehauses zu streifen und Revue passieren zu lassen, was seit 1959 – vor 60 Jahren also – in ihnen stattgefunden hatte. Und es waren sogar Gemeindemitglieder anwesend, die diese Zeit miterlebt hatten! Die Mitglieder des Gemeindekirchenrates führten uns mit ihren Berichten durch alle Räume und erzählten, welche Aktivitäten, welche Ereignisse dort stattgefunden hatten. Es waren Streiflichter, längst nicht alles fand Erwähnung, was in 60 Jahren das Gemeindeleben ausgemacht hatte. Ja, „alles hat seine Stunde“, wie es im Buch der Prediger heißt. Etwas allerdings fehlte mir:  Die Erwähnung der Notübernachtung für Geflüchtete, die im Winter 2015/16 von Norbert Giesen ins Leben gerufen wurde und gleich mehrere Räume des Gemeindehauses benötigte. Unter Norberts fachkundiger Leitung und seinem unermüdlichen Engagement entstand aus dem ursprünglichen Helferkreis die Gruppe „jenseits von Babel“, die viele Geflüchtete mit Rat und tatkräftiger Hilfe beim Ankommen in der Fremde bis heute unterstützt.


Nun war es also soweit: Die Gemeinde verließ das Gemeindehaus, die Tür wurde abgeschlossen und die Schlüssel feierlich dem Architekten übergeben. Wir begaben uns in die Kirche.

Was bleibt? Ein alter Koffer, eine Bibel, ein Gesangbuch, eine Tafel mit dem „Periodischen System der Elemente“ und ein Blumentopf mit einer Pflanze darin. „Wir wandern mit leichtem Gepäck“, sagte Pfarrerin Elisabeth Mayer zu Beginn ihrer Predigt mit Blick auf ihre „Schätze“. Gottes Wort wird uns begleiten und Richtschnur sein, wir können ihn loben und ihm danken. Das „Periodische System“ ist vielleicht einigen noch aus ihrem Chemieunterricht in Erinnerung: ähnlich reagierende Elemente sind zu Gruppen zusammengefasst. Wenn Elemente verschiedener Gruppen miteinander reagieren, entsteht ein neuer Stoff, etwas Neues also. Wir müssen nur gut darauf achten, dass etwas Sinnvolles entsteht...Und die Pflanze im Topf verspricht uns Wachstum und neues Leben.

Wie viele Bedenken wurden schon zu diesem Umbau des Gemeindehauses geäußert und sind sicher noch vorhanden. Viele Gruppen finden zwar im Vorraum der Kirche Unterschlupf, haben dort aber weniger Platz. Manche, wie die Töpfergruppen haben eine lange Pause vor sich, die Kantorei muss in Alt-Tempelhof proben. Wie wird es nach dem Umbau weitergehen? Wird sich das neue Gemeindehaus auch mit neuem Leben füllen?

Dazu sagt uns der Evangelist Matthäus: „Seht euch die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie…. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen, jeder Tag hat genug eigene Plage.“ Macht euch nicht so viele Gedanken, es wird für euch gesorgt werden!

Das macht uns den Kopf frei für neue kreative Ideen, für die Freude am Improvisieren und lässt uns vielleicht auch geduldiger miteinander umgehen und gelassener mit der neuen Situation. Welche Chancen bieten sich uns mit diesen erneuerten Räumen, wenn sie denn mal fertig sind!

Wie sang der Chor noch im Gemeindehaus? „Hevenu schalom...Wir wünschen Frieden für alle...“ Den brauchen wir. Und als die Gemeinde während des Abendmahls das Lied sang „ Wenn das Brot, das wir teilen“, wo es in jeder Strophe im zweiten Teil heißt: „Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut...“, da dachte ich voller Zuversicht an unser Gemeindehaus: „Das wird schon!“

Als uns der Architekt nach dem Gottesdienst den Umbau am Modell erläuterte, konnte ich mir das Neue gut vorstellen, bekam aber auch eine Ahnung davon, wie aufwendig die Baumaßnahmen sein würden und welche Anstrengungen auch finanzieller Art dafür nötig sind.

Danke an alle, die diesen Gottesdienst gestaltet haben, unseren beiden Pfarrerinnen Elisabeth Mayer und Theresa Brückner, den „Dünnen Stimmchen“ unter Markus Grohmann, den Erzählern vom GKR, dem Lektor Günther Knak und allen anderen.


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